Gute Beziehungen helfen bei der Finanzierung

Unternehmer erhalten mehr und länger Kredit, wenn sie Mitglied im selben Elite-Club sind wie ein Vertreter der Bank / Negative Folgen für Ressourcen-Verteilung in Deutschland

Ziel von Elite-Service- oder Wohltätigkeits-Clubs ist es unter anderem, ihren Mitgliedern wertvolle Kontakte und Netzwerke zu eröffnen. Club-Kontakte zwischen Bankern und Unternehmern und daraus entstehende Kreditbeziehungen haben jedoch negative volkswirtschaftliche Folgen. Wie eine aktuelle Untersuchung von Rainer Haselmann (Goethe-Universität Frankfurt und LOEWE-Zentrum SAFE), David Schoenherr (Princeton University) und Vikrant Vig (London Business School) zeigt, die im Journal of Political Economy erscheinen wird, erhält ein Unternehmen im Durchschnitt mehr Kredit von einer Bank, wenn die Manager beider Häuser demselben Club angehören. Im Vergleich zu sonstigen Kreditgeschäften machen Banken mit Krediten, die auf Club-Kontakten basieren, jedoch weniger Gewinn.

„Wir waren ziemlich überrascht über die Fülle unserer Ergebnisse“, sagt Rainer Haselmann in einem Interview im aktuellen SAFE Newsletter (Ausgabe Q1 2017). „Nach unseren Daten wächst der Umfang der Kredite eines Unternehmens bei einer Bank, nachdem deren Chefs in den gleichen Club eingetreten sind, um 37 Prozentpunkte mehr als die Kredite des Unternehmens zu anderen Banken.“ Gleichzeitig mache eine Bank mit solchen Netzwerk-Krediten im Durchschnitt um 4,4 Prozentpunkte geringeren Gewinn als mit sonstigen Krediten. Sparkassen vergeben in größerem Ausmaß Kredite aufgrund von Netzwerk-Kontakten als private Banken.

Die schlechte Performance von Krediten, die offensichtlich auf Club-Kontakte zurückgehen, liegt laut Rainer Haselmann daran, dass die Banken einem Unternehmen zu spät den Geldhahn zudrehen, wenn die jeweils Verantwortlichen Club-Kollegen sind. Die Bank stellt dem Unternehmen auch dann noch Mittel zur Verfügung, wenn es sich erkennbar auf eine Pleite zubewegt und andere Banken längst ausgestiegen sind. „Offenbar fühlen sich Bankmanager dem Club-Kollegen besonders verpflichtet und blenden die betriebswirtschaftlichen Fakten daher zu lange aus“, so Haselmann. Sonderkonditionen, etwa beim Zinssatz, konnten die Autoren dagegen nicht feststellen.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Unternehmen, die sich über die großzügige Kreditvergabe freuen können, verwenden die neuen Finanzmittel im Allgemeinen nicht für Investitionen, sondern eher für Auszahlungen an die Anteilseigner bzw. den Inhaber. „Hochgerechnet legen unsere Ergebnisse nahe, dass Kreditbeziehungen auf Basis von Elite-Netzwerken daher zu einer ineffizienten Verteilung von Kredit-Ressourcen führen“, so Haselmann. „Eine entwickelte Volkswirtschaft wie Deutschland könnte vermutlich eine höhere Wachstumsrate erreichen, wenn Bankmanager nicht in Elite-Netzwerken aktiv wären.“

Für ihre Untersuchung haben die Autoren die Mitgliedsdaten von rund 400 Service-Club-Filialen in ganz Deutschland sowie Daten zu Kreditverträgen ausgewertet.


Haselmann, R., Schoenherr, D. and V. Vig (2016): „Rent-Seeking in Elite Networks“, erscheint im Journal of Political Economy. Verfügbar als SAFE Working Paper No. 132.