Joseph Huber wirbt für eine Vollgeldreform

 

Vollgeld statt Giralgeld: Joseph Huber, Professor für Wirtschafts- und Umweltsoziologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, hielt am 12. November ein Plädoyer für das Vollgeldsystem. Sein Vortrag war Teil der CFS Vorlesungsreihe „Die Ordnung des Geldes“ zu der Thomas Mayer, Senior Fellow am Center for Financial Studies, eingeladen hatte.

Huber erklärte, dass es Banken im bestehenden Giralgeldsystem möglich sei, praktisch unbegrenzt (Giral-)Geld zu schöpfen. Die dabei entstehende Geldmenge sei um ein Vielfaches höher als die Reserven, die Banken bei der Zentralbank halten müssten. Beispielsweise benötige eine Bank, um 100 Währungseinheiten auf einem Girokonto gutzuschreiben, nur etwa drei Prozent davon als Deckung bei der Zentralbank. Durch den zunehmend bargeldlosen Zahlungsverkehr hätten die staatlichen Zentralbanken somit gewissermaßen die Kontrolle über die Geldmenge verloren, so Huber.

Huber kritisierte, dass das Giralgeldsystem durch immer wieder überschießende Giralgeldschöpfung instabil sei und Krisen befördere: Es werde fortlaufend Geld erzeugt, ohne dass diesem ein reales Wirtschaftsprodukt gegenüber stünde. Die eigentliche monetäre Ursache der derzeitigen Finanzkrise sieht Huber auch in der Entstehung dieses überschüssigen Geldes. Er erklärte, dass die Geldmenge M1 – Bargeldumlauf und Sichteinlagen, die von Privatpersonen oder Unternehmen bei Banken gehalten werden, – sich zwischen 1999 und 2008 um 189 Prozent ausgeweitet habe, während das nominale Bruttoinlandsprodukt nur um 51 Prozent gewachsen sei. Dies habe unter anderem Inflation und Asset Inflation zur Folge gehabt und zu einer hohen Verschuldung, auch von Staaten, beigetragen. Huber warnte zudem, dass Giralgeld unsicher sei, da es als weitgehend ungedeckte Forderung im Fall einer Bankenkrise einfach verschwinden könnte.

Huber ist deshalb der Meinung, dass der Staat das Geldmonopol wieder an sich ziehen sollte, um die Geldmenge besser kontrollieren zu können. Er schlägt vor, von Giralgeld zu Vollgeld überzugehen. Im Gegensatz zu Giralgeld sei Vollgeld ein unbeschränkt gültiges und bestandsicheres Geld, das nur von der Zentralbank ausgegeben wird. Girokonten von Bankkunden müssten in Geldkonten umgewandelt werden, die außerhalb der Bankbilanzen geführt werden, um das Geld der Banken von dem ihrer Kunden zu trennen. Das Geld der Bankkunden werde dadurch wieder sicher. Huber erklärte, dass die staatliche Geldhoheit durch die Reform wiederhergestellt werde, eine Giralgeldschöpfung nicht länger möglich sei und damit auch keine überschießende Geldmenge mehr entstehen könne. Ein weiterer Vorteil sei, laut Huber, dass der Staat durch die alleinige Hoheit, Geld zu schöpfen, auch Anspruch auf den Gewinn aus dem Geldmengenwachstum – die sogenannte Seignorage – erhalte und damit einen Teil seines Haushalts finanzieren könne.