Zehn Jahre House of Finance: interdisziplinäre Forschungskompetenz am Finanzplatz Frankfurt

Der Cluster für Finanzforschung feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Synergien zwischen Wissenschaft, Finanzbranche und Politik schaffen neue Erkenntnisse auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit auf den Finanzmärkten

Das House of Finance bündelt seit zehn Jahren die wissenschaftliche Forschung und akademische Ausbildung auf dem Gebiet der Finanzen an der Goethe-Universität Frankfurt. Eröffnet wurde das Haus im Jahr 2008. Nur ein Jahr zuvor hatte die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise gezeigt, wie nötig unabhängige Expertise und gute Regulierung im Bereich der Finanzmärkte ist. Die Komplexität und der regulatorischen Rahmen der Finanzmärkte erfordern sowohl Detailwissen als auch den Blick auf die größeren Zusammenhänge – ein Ansatz, den die Forscher des House of Finance seit der Gründung verfolgen.

Neben dem Poelzig-Ensemble fügt sich das nach klassizistischen Stilprinzipien erbaute House of Finance in den ab dem Jahr 2001 neugestalteten Campus Westend ein. Die universitären Abteilungen kooperieren mit den ansässigen Forschungsinstituten und bringen so den interdisziplinären Austausch in der Finanzforschung voran. „Es konnte ein Kompetenzcluster aufgebaut werden, welches das Kernthema Finanzen aus verschiedenen Blickwinkeln studiert, reflektiert und durchdringt“, beschreibt Wolfgang König, Direktor des House of Finance, die Einrichtung. „Hier wird nicht nur Spitzenforschung betrieben, sondern es entsteht daraus auch ein gesellschaftlicher und praktischer Nutzen für ein nachhaltiges, stabiles Finanzsystem“, so König.

Inzwischen forschen im House of Finance rund 40 Professoren und 200 wissenschaftliche Mitarbeiter aus aller Welt. Darunter befinden sich Volks- und Betriebswirte und Juristen.

Neue Impulse durch interdisziplinäre Forschung

Die Schwerpunkte entsprechen den universitären Abteilungen Finanzen, Geld und Währung sowie dem juristischen Schwerpunkt „Recht der Unternehmen und Finanzen“. Neben der Grundlagenforschung ist es auch ein Anliegen, die akademische Weiterbildung und den Wissensaustausch mit der Finanzbranche und der Politik zu fördern.

Das LOEWE-Zentrum SAFE, das Center for Financial Studies (CFS), das E-Finance Lab (EFL), das Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) und das International Center for Insurance Regulation (ICIR) leisten wissenschaftliche Beiträge in der Finanzforschung unter anderem zu den Schwerpunkten nachhaltige Finanzmärkte und -institutionen, Digitalisierung, Geld- und Währungssystem und Versicherungsregulierung. Die Wissenschaftler publizieren ihre Erkenntnisse in erstklassigen Fachzeitschriften und nutzen die enge Zusammenarbeit, um disziplinübergreifend aktuelle Marktentwicklungen und Entscheidungen des Gesetzgebers zu bewerten. Renommierte Gastdozenten tragen zu einem fruchtbaren Austausch bei, der neue Impulse setzt. So konnte die von den Bankhäusern Metzler und Rothschild initiierte Gastprofessur für Finanzgeschichte beispielsweise schon mit namhaften Forscherpersönlichkeiten wie Benjamin Friedman, Harvard University (2015), Caroline Fohlin, Emory University Atlanta (2016), Hans-Joachim Voth, Universität Zürich (2017) und Harold James, Princeton University (2018) besetzt werden. In den kommenden Jahren werden Barry Eichengreen, University of California, Berkeley (2019) und Catherine Schenk, University of Oxford (2020) erwartet.

Davon profitiert auch die nächste Generation der Finanzexperten: Die Graduate School of Economics, Finance, and Management (GSEFM) fördert den akademischen Nachwuchs in nach angelsächsischem Vorbild strukturierten Graduiertenprogrammen. Daneben befinden sich auch die Goethe Business School (GBS) und das Institute of Law and Finance (ILF) im Haus. Hier können sich Praktiker in Master- oder individuell zugeschnittenen Executive-Education-Programmen berufsbegleitend weiterbilden. Zu einer umfangreichen Ausbildung tragen unter anderem Gastprofessoren von international anerkannten Universitäten, internationale Konferenzen und Summer Schools bei. Die ILF Summer School oder das Reflective-Leadership-Programm der GBS vermitteln neues akademisches Wissen, abgestimmt mit Partnern aus Wirtschaft und Politik.

Wissensaustausch auf allen Ebenen

Neben Forschung und Weiterbildung gibt es im House of Finance verschiedene Plattformen für den gesellschaftlichen Dialog, die den praktischen Nutzen und die gesellschaftliche Relevanz der Forschung unterstreichen. Das SAFE Policy Center beispielsweise sucht den Austausch mit Vertretern aus Politik und Regulierung in Frankfurt, Brüssel und Berlin. Dabei geht es nicht nur darum, forschungsbasierte Politikempfehlungen weiterzugeben; aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven auf wirtschaftliche, regulatorische und rechtliche Aspekte ergeben sich auch immer wieder neue inhaltliche Impulse aus der Praxis für die Forschung.

Zum Wissensaustausch mit Bürgern, Finanzmarktexperten und Branchenvertretern tragen darüber hinaus zahlreiche Veranstaltungen bei. So waren unter anderem Christine Lagarde vom Internationalen Währungsfonds, Pier Carlo Padoan, damaliger Wirtschafts- und Finanzminister Italiens, Mitglieder des Direktoriums der Europäischen Zentralbank und Vorstandsmitglieder der Bundesbank und viele weitere hochrangige Vertreter von Institutionen und Unternehmen bereits einmal als Gastredner eingeladen. Auch Angela Merkel im Rahmen des ersten Frankfurt Finance Summit im März 2014 oder Wolfgang Schäuble als Redner des Center for Financial Studies im März 2016 sind bereits Gast im House of Finance gewesen und haben hier über aktuelle Herausforderungen der Finanzpolitik diskutiert.

Das House of Finance hat sich in den vergangenen zehn Jahren auch als Konferenzstätte etabliert. Seine Institute und Forscher sind gut vernetzt mit wissenschaftlichen Organisationen und Institutionen weltweit und richten gemeinsam mit ihnen zahlreiche Konferenzen und Workshops aus. So fanden unter anderem Konferenzen gemeinsam mit der Central Bank Research Association (CEBRA), dem Centre for Economic Policy Research (CEPR), dem Journal of Accounting oder der Review of Economic Studies im Haus statt. Forscher, Politiker und Praktiker tauschen sich zudem zu Themen wie Strukturreformen im Europäischen Bankensektor, Finanztechnologie und private Finanzen aus und profitieren dabei von den internationalen Hintergründen der Teilnehmer.

Nicht zuletzt durch die räumliche Lage am Finanzplatz Frankfurt und der forschungsstarken Goethe-Universität ist das House of Finance in den vergangenen zehn Jahren zu einem wichtigen interdisziplinären Forschungscluster geworden. Aktuelle Herausforderungen wie der Brexit, die Digitalisierung oder der Klimawandel stellen die Finanzmärkte vor neue Herausforderungen. Die Wissenschaftler im House of Finance greifen diese Themen auf, um auch in Zukunft einen Beitrag für ein stabiles Finanzsystem zu leisten.