Experten-Workshop zur Riester-Rente im House of Finance


Von Prof. Raimund Maurer


Elf Jahre nach Einführung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge haben über 15 Millionen Verbraucher einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Die öffentliche Diskussion der vergangenen Monate hat sie jedoch verunsichert. Die Riester-Rente, so der zentrale Vorwurf, sei für den Sparer unattraktiv. Das House of Finance der Universität Frankfurt hat die prominentesten Fürsprecher und Kritiker der Riester-Rente am 27. September 2012 eingeladen, ihre Meinungen auszutauschen, zu diskutieren und Klarheit zu schaffen.

Strukturiert man die teilweise hitzig geführte Debatte, lassen sich drei wesentliche Diskussionspunkte identifizieren:

     

  • Erstens stellen Anhänger der umlangefinanzierten Rente die grundsätzliche Frage, wie sinnvoll eine kapitalgedeckte Altersvorsorge ist. Ist sie geeignet, die aufgrund der demographischen Entwicklung zu erwartenden Probleme bei der Umlagefinanzierung zu lösen?
  • Kritiker der Riester-Rente bemängeln zweitens einen Mangel an Fairness und Transparenz bei Riester-Verträgen. Produktions- und Vertriebskosten sowie Kosten für den Anbieterwechsel seien zu hoch und die Kalkulation von Kapitalmarkt- und Langlebigkeitsrisiken übertrieben vorsichtig. Zudem sei das staatliche Zulagen- und Zertifizierungssystem zu komplex und für den einzelnen Verbraucher daher unverständlich.
  • Umstritten sind drittens die Anlagestrategien der Produktanbieter: Mit Blick auf das derzeitige Kapitalmarktumfeld und die unsicheren Lebenserwartungen seien diese ungünstig, bemängeln Manche. So stellt sich für den einzelnen Sparer die Frage, ob sich das „Riestern“ für ihn persönlich wirklich lohnt.
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Es ist wichtig, die im Raum stehenden Kritikpunkte sachlich zu prüfen. Vereinfachungen werden der Komplexität und Bedeutung des Themas für Millionen Menschen nicht gerecht. Schließlich geht es im gesamtgesellschaftlichen Interesse letztlich darum, das Vorsorgeniveau der Bevölkerung zu verbessern.

So waren sich die Experten trotz lebhafter Diskussionen in einem Punkt auch einig: Verbraucher dürfen nicht entmutigt werden, für ihre Altersvorsorge zu sparen. Denn eines ist sicher: Nichts tun, schließt die zu erwartende Rentenlücke auf keinen Fall.

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