Frankfurt Finance Summit 2012 ein großer Erfolg

 

Mit hochkarätigen Gästen, Reden und Podiumsdiskussionen war der zweite Frankfurt Finance Summit, der am 20. und 21. März im Casino der Goethe-Universität stattfand, erneut ein großer Erfolg. Die aktuelle wirtschaftliche Lage in Europa lieferte den Gästen aus Wissenschaft, Politik, Regulierung und Finanzindustrie reichlich Gesprächsstoff.

WeidmannIn der Auftaktrede wies Bundesbankpräsident Jens Weidmann auf die Bedeutung des Finanzsektors für die Volkswirtschaft hin, der die Regulierung Rechnung tragen müsse. Es gelte, Übertreibungen zu unterbinden, ohne dabei Innovationen und wirtschaftliches Wachstum zu verhindern. Weidmann steckte aber nicht nur für Geldpolitik und Regulierung einen Handlungsrahmen ab, sondern auch für die Forschung. Etwa in Bezug auf den wachsenden Trend zur Verbriefung von Wertpapieren und Risiken meldete er Nachholbedarf bei der wissenschaftlichen Analyse an. Auch über die verschiedenen Formen von Marktinterventionen – ex ante wie ex post – sowie die Ansteckungseffekte zwischen Märkten ermunterte Weidmann zu intensiverer Forschungstätigkeit.

Otmar Issing erneuert Kritik am Kurs der EZB

In der ersten, mit Zentralbankthemen befassten Podiumsdiskussion erneuerte Otmar Issing, Präsident des Center for Financial Studies und Vorsitzender des Kuratoriums des House of Finance, seine Kritik am gegenwärtigen Kurs der EZB. Das größte Risiko, das sie mit dem Ankauf von Staatsanleihen auf sich genommen habe, treffe ihre Reputation. Issing zeigte sich erneut irritiert darüber, dass Volkswirte aus dem angelsächsischen Bereich die Argumente deutscher Ökonomen nicht angemessen diskutierten  – sowohl bezogen auf das umstrittene Thema „lender of last resort“ als auch in Bezug auf die Berücksichtigung monetärer Größen in der Geldpolitik.

PraetIssings Kritik an der gegenwärtig zu expansiven Bereitstellung von Liquidität, versuchte Peter Praet, Chefvolkswirt der EZB, zu relativieren. Langfristig müsse diese Politik zwar zurückgefahren werden, kurzfristig sei sie aber zu Unterstützung der europäischen Banken notwendig. In Bezug auf die Frage, ob Zentralbanken Risiken auf den Finanzmärkten besser erkennen müssten, zeigten sich die Diskutanten einig darüber, dass eine Notenbank nicht die Aufgaben von Regulierungsbehörden übernehmen könnten. Eine detailliertere Untersuchung der Banken, die Kredite abfragten, sei jedoch wünschenswert.

Im zweiten Panel tauschten sich Regulierungsexperten aus verschiedenen Ländern über die Möglichkeiten aus, Aufsichtsfragen besser international zu vernetzen. Ein Thema war etwa das Ausscheren der USA auf verschiedenen Regulierungsebenen. Bernd Loewen, Vorstandsmitglied der KfW, regte allerdings an, in Bezug auf die Anwendung von Basel III von den USA zu lernen, die beabsichtigen, das Regelwerk nur auf große, systemrelevante Banken anzuwenden. Auf kleinere und regionale Banken, wie etwa viele deutsche Sparkassen, passe Basel III nun wirklich nicht, so Loewen. Vielmehr bestünde die Gefahr, hier Geschäftsmodelle zu zerstören.

Wolfgang König plädiert für interdisziplinäre Forschung

Am Beginn des zweiten Konferenztages gestand Wolfgang König, der Geschäftsführende Direktor des House of Finance, zu, dass auch die Wissenschaft Nachholbedarf darin habe, makroökonomische Expertise mit dem Wissen über Finanzmärkte und ihre Akteure zu verzahnen. Die interdisziplinäre Aufstellung des House of Finance sei jedoch darauf angelegt, genau diesen Schwachpunkt anzugehen und zu beheben. König wies in diesem Zusammenhang auf ein aktuelles Forschungsprojekt von Volker Wieland hin, der mithilfe einer Datenbank an makroökonomischen Modellen – in Kürze auch mit integriertem Finanzsektor – eine breite internationale Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen ermöglichen möchte. Davon abgeleitete Politikempfehlungen könnten dadurch robuster und sicherer werden. (Download: Rede Wolfgang König)

DombretDie Teilnehmer des dritten Panels diskutierten über das mögliche systemische Risiko, das aus dem Schattenbankensektor, Hedgefonds, ETFs, Kreditderivaten und Hochfrequenzhandel erwächst. Während die Meinungen über das Risikopotenzial der einzelnen Bereiche auseinandergingen, herrschte Einigkeit darüber, dass in ihnen allen mehr Transparenz nötig und wünschenswert wäre. Äußerungen über das geringe systemische Risiko von Hedgefonds konterte Bundesbankvorstand Andreas Dombret (im Foto links mit Lutz Johanning) damit, dass niemand den Auslöser für eine nächste Finanzkrise kenne und man insofern möglichst wenig ausschließen sollte.

Luc Frieden fordert eine Vision für Europa

Zum Abschluss der Konferenz stand das Themenfeld Eurokrise auf der Agenda. Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden mahnte diesbezüglich an die Adresse seiner europäischen Kollegen mehr Führungsstärke, mehr Einsatz für die europäische Idee und weniger Rücksicht auf nationale Interessen an. Früher hätten europäische Politiker die Union durch große Visionen weitergebracht. Genau das gehe heute im andauernden Krisenmanagement unter. Europa brauche eine neue Vision sowie einen Plan für ökonomische Exzellenz. Dass im Rahmen der europäischen Krisenbewältigung elementare demokratische Regeln und Prozesse hochgehalten werden müssen, daran hatten am Vortag Otmar Issing und insbesondere die Abgeordnete des EU-Parlaments Silvie Goulard eindringlich erinnert.

Publikum

Summit-Teilnehmer von links nach rechts:
Andrzej Raczko (Polnische Zentralbank), Claudio Borio (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), Jens Weidmann (Deutsche Bundesbank), Lutz Raettig (Frankfurt Main Finance), Petra Roth (Stadt Frankfurt), Werner Müller-Esterl (Goethe-Universität)