IMFS-Forscher gegen einen Schnellschuss bei der Regulierung des Vergütungssystems von Banken

FRANKFURT AM MAIN, 23. Februar 2009. Roman Inderst, Professor für Finanzen und Ökonomie am Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) der Goethe-Universität Frankfurt, warnt in einem aktuellen Forschungspapier vor einem Schnellschuss bei der Regulierung des Vergütungssystems von Banken.

Zahlreiche Politiker sowie auch namhafte Ökonomen setzen darauf, durch eine Regulierung des Bonussystems in Banken zukünftige Finanzmarktkrisen vermeiden zu können. Diese Ansichten verwechseln oft Ursache mit Wirkung, wie die beiden Forscher Roman Inderst und Sebastian Pfeil vom IMFS argumentieren.

Die Forscher bestreiten nicht, dass das vorherrschende Bonussystem dazu beigetragen hat, dass bei Transaktionen eher auf die kurzfristige Rendite als auf das langfristige Risiko geachtet wurde. Sie gehen allerdings davon aus, dass diese Vergütungssysteme im Interesse der Banken konzipiert wurden, wobei sicherlich auch manche Risiken unterschätzt wurden und zudem aus gesellschaftlicher Perspektive wohl insgesamt eine zu hohe Bereitschaft bestand, Risiken einzugehen. Die Risikobereitschaft der Banken kann allerdings nachhaltig beeinflusst werden, ohne übergebührlich in ihre Geschäftspolitik einzugreifen, indem striktere Anforderungen an das Eigenkapital gestellt werden, nicht aber durch ein Mikromanagement der bankinternen Vergütungssysteme.

Ein solcher Eingriff kann, so die Autoren, auch nicht mit der bloßen Behauptung, dass keine Bank im Alleingang vom herrschenden Standard abweichen könnte ohne die besten Talente zu verlieren, gerechtfertigt werden. Ein solches Marktversagen entbehrt jeder ökonomischen Grundlage, da Firmen, die Talente halten oder anziehen wollen, in jeder Branche eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen treffen müssen, auch was die Höhe und die Form der Vergütung angeht.

Die Autoren zeigen in ihrer theoretischen Arbeit allerdings auch, dass Banken, die einen Großteil ihrer Risiken etwa in Form von Verbriefungen weiterreichen, sehr wohl Vergütungssysteme wählen können, die langfristig nicht im eigenen Interesse sind. Dies gilt vor allem dann, wenn die Banken nicht in der Lage sind, glaubhaft ein hinreichend hohes Restrisiko etwa im Sinne einer?first-loss tranche? in ihren Büchern zu behalten. Statt Regulierung kann hier allerdings Transparenz flexibler und wirkungsvoller ansetzen.

Ein Schnellschuss bei der Regulierung der Vergütungsstruktur bei den Banken wird, ähnlich der Obergrenze von 500,000 Euro, politisch aber nicht ökonomisch motiviert sein.