26.02.26 | ILF: Aktuelles

14. ILF Konferenz zur Zukunft des Finanzsektors: “Stablecoins, CBDCs, Tokenization – The New Frontiers of Money?”

Am 27. Januar 2026 veranstaltete das ILF die 14. Konferenz zur Zukunft des Finanzsektors unter dem gemeinsamen Vorsitz von Andreas Dombret und Patrick Kenadjian.

Am 27. Januar 2026 veranstaltete das ILF die 14. Konferenz zur Zukunft des Finanzsektors unter dem gemeinsamen Vorsitz von Andreas Dombret und Patrick Kenadjian. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die sich wandelnde Architektur des Geldes unter dem Vorzeichen von Stablecoins, digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) und Tokenisierung.

In seiner Keynote analysierte Barry Eichengreen (University of California, Berkeley) den US-amerikanischen GENIUS Act und dessen Implikationen für Europa. Er betonte, dass es keine Option sei, nicht zu reagieren, und plädierte für eine diversifizierte europäische Strategie, darunter die Entwicklung lokaler Währungsalternativen zu dollardenominierten Stablecoins, eine stärkere grenzüberschreitende Verknüpfung von Echtzeit-Zahlungssystemen sowie die fortgesetzte Erprobung und Einführung von CBDCs.

Das erste Panel unter der Moderation von Andreas Dombret befasste sich mit der Entwicklung und den Risiken von Stablecoins. Marion Laboure (Deutsche Bank und Harvard) skizzierte deren Entstehung sowie mögliche systemische Auswirkungen. Diskutiert wurden zudem Anwendungsfälle jenseits der Kryptomärkte, konkurrierende Technologien wie Echtzeit-Zahlungssysteme und tokenisierte Bankeinlagen sowie der regulatorische Rahmen unter der EU-Verordnung MiCAR.
Das zweite Panel, moderiert von Stephen Martin (AWS), ging der Frage nach, ob CBDCs – in Retail- oder Wholesale-Form – eine tragfähige Antwort auf Stablecoins darstellen. Lucrezia Reichlin (London Business School) hob den hybriden Charakter des Geldes hervor und argumentierte, dass der Zugang zu Zentralbankgeld für die Systemstabilität unverzichtbar bleibe. Diskutiert wurde insbesondere die Unterscheidung zwischen Geld und Zahlungssystemen und deren Bedeutung für die Ausgestaltung von CBDCs.

In einem Gedankenaustausch zur Finanzinnovation sprach Andreas Dombret mit Klaas Knot (ehemaliger Präsident der De Nederlandsche Bank und früherer Vorsitzender des Financial Stability Board). Im Fokus standen die seit 2008 zu beobachtende Verschiebung von Kredit- zu Liquiditätsrisiken, das Wachstum privater Kreditmärkte sowie das Zusammenspiel von öffentlichem und privatem Geld. Die zweite Keynote der Konferenz steuerte Hyun Song Shin (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) bei. Er thematisierte die Rolle von Geld als Koordinationsinstrument und zog historische Linien vom frühneuzeitlichen Bankwesen bis zu heutigen Blockchain-Systemen. Dabei verwies er auf Zielkonflikte zwischen Dezentralisierung und Skalierbarkeit und erläuterte, wie Layer-2-Lösungen versuchen, Überlastungen in dezentralen Netzwerken zu adressieren.

Das abschließende Panel unter der Moderation von Patrick Kenadjian untersuchte, ob Tokenisierung und sogenannte Unified Ledgers eine adäquate Alternative darstellen. Gokce Ozcan (Oliver Wyman) gab einen Überblick über tokenisierte Einlagen, gefolgt von Gaston Gelos (BIZ), der den Vorschlag der BIZ für ein einheitliches – nicht notwendigerweise einziges – Ledger erläuterte, auf dem tokenisierte Bankeinlagen und Zentralbankgeld sowie weitere tokenisierte Vermögenswerte zusammengeführt werden. Diskutiert wurden bestehende Projekte, darunter Initiativen von JP Morgan, sowie operative und risikobezogene Fragestellungen.

Ignazio Angeloni, ehemaliges Mitglied des Supervisory Boards der Europäischen Zentralbank, ordnete in seinen Schlussbemerkungen die Stablecoin-Debatte als im Kern politisch ein. Er verglich MiCAR mit dem GENIUS Act, äußerte reputationsbezogene Bedenken hinsichtlich eines möglichen Misserfolgs eines digitalen Euro im Retail-Bereich und betonte die anhaltende Bedeutung von Wholesale-CBDCs.

Quelle & Foto: ILF