CFS-Umfrage zu „Neue Strategie der EZB“

Deutsche Finanzbranche sieht eine „grüne“ Komponente der Geldpolitik kritisch – große Sorgen vor anhaltender Niedrigzinspolitik

 

Hintergrund:

Am 8. Juli 2021 hat der EZB-Rat die neue geldpolitische Strategie verabschiedet. Diese sieht ein symmetrisches mittelfristiges Inflationsziel von 2 % vor, d.h. negative Abweichungen von diesem Zielwert sind ebenso unerwünscht wie positive. Wenn jedoch die nominalen Zinssätze in der Nähe ihrer effektiven Untergrenze liegen sollten, seien besonders kraftvolle oder lang anhaltende geldpolitische Maßnahmen nötig, um zu verhindern, dass sich negative Abweichungen vom Inflationsziel verfestigten. Dies gehe unter Umständen damit einher, dass die Inflation vorübergehend leicht über dem Zielwert liege. Darüber hinaus hat die EZB angekündigt, innerhalb ihres Mandats Klimaschutzaspekte in ihren geldpolitischen Handlungsrahmen einzubeziehen. Dazu wurde ein umfangreicher Maßnahmenplan verabschiedet.

Umfrageergebnisse:

Bei einer vom CFS durchgeführten Umfrage unter Fach- und Führungskräften zur neuen EZB-Strategie sind ca. 60% der Befragten der Meinung, dass die EZB an der bisherigen Zielgröße für die Inflationsrate von knapp 2% hätte festhalten sollen. Etwa 37% der Befragten sind der Auffassung, dass die EZB temporär auch eine leicht höhere Inflationsrate akzeptieren sollte.

Außerdem lehnen 64% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage ab, dass die EZB künftig eine „grüne“ Komponente in ihrer Geldpolitik (z.B. durch den Ankauf von Green Bonds) verankert, 32% würden dies begrüßen.

„Es ist noch nicht abzusehen, in welcher Form die EZB künftig Klimaschutzaspekte bei ihren Entscheidungen berücksichtigt. Aber viele Marktteilnehmer sehen dies offenbar skeptisch“, erläutert Prof. Volker Brühl vom Center for Financial Studies.

„Die bisherige Kommunikation der EZB zum Thema Klimaschutzaspekte und Geldpolitik lässt viele Fragen offen und sollte zeitnah präzisiert werden“, ergänzt Brühl.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Ankäufe von Staatsanleihen und der dauerhaft niedrigen Zinsen sieht die überwiegende Mehrheit der Befragten (83%) die Gefahr, dass ein Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik immer schwieriger wird, weil die Staaten auf die Ankäufe ihrer Anleihen und niedrige Zinsen angewiesen sind.

„Bei einer Inflation, die über dem vorgegebenen Ziel liegt, sollte der EZB künftig die Möglichkeit eingeräumt werden, Anleihekäufe auch wieder zurückfahren zu können, um somit Zinsen erhöhen zu können und der steigenden Inflation entgegenzuwirken. Zudem sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass beim Anleihekaufprogramm eine Dominanz von Papieren klimaschädlicher Unternehmen vermieden wird und stattdessen klimafreundliche Investitionen gefördert werden“, erläutert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

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Pressemitteilung (pdf)


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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Professor Dr. Volker Brühl

Center for Financial Studies
House of Finance
Goethe-Universität Frankfurt