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International besetzte Konferenz nimmt Nutzen und Risiken internationaler Bankennetzwerke in den Blick

Grenzüberschreitende Bankenbeziehungen können destabilisierend auf nationale Finanzsysteme wirken, tragen in der Regel aber zur Überwindung von Finanzkrisen bei.

 

Bei der gemeinsamen Konferenz „International Banking Networks: Sources of Stability or Instability? Evidence from the Past and Present“ des House of Finance (HoF) der Goethe-Universität Frankfurt, des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE und des Instituts für Bank- und Finanzgeschichte (IBF) präsentierten Zentralbankvertreter:innen, Ökonomen:innen und Wirtschaftshistoriker:innen neueste Forschungsergebnisse zur Funktionsweise von internationalen Bankennetzwerken und zu möglichen Instrumenten, um etwaigen inhärenten Stabilitäts- und Finanzrisiken zu begegnen. Zu der Veranstaltung am 22. April 2021 hatte Catherine Schenk eingeladen, die diesjährige HoF-Gastprofessorin für „Financial History“. Catherine Schenk ist der sechste Gast im Rahmen der Stiftungsgastprofessur "Financial History", gestiftet vom Bankhaus Metzler und der Friedrich Flick Förderungsstiftung.
Die wissenschaftlichen Beiträge zu der Konferenz machten deutlich, dass makroprudenzielle Politikansätze und Regulierungen allen Facetten internationaler Bankenbeziehungen gerecht werden müssen, was empirisch fundierte Analysen der Funktionen und Wirkungsmechanismen von internationalen Bankennetzwerken voraussetzt.

Zwei Keynotes aus der aktuellen Zentralbankperspektive rahmten die beiden Sektionen ein, die jeweils einen historischen und einen gegenwartsbezogenen Aspekt des Themas beleuchteten. Den Auftakt machte Linda Goldberg, Vizepräsidentin der Federal Reserve Bank of New York, die die Bemessung von Währungsabkommen (sogenannte Swap-Vereinbarungen) als Liquiditätshilfen der Zentralbanken zur Aufrechterhaltung der internationalen Zahlungsströme diskutierte sowie die in der Finanzkrise von 2007/2008 gewonnenen Erfahrungen und die Handhabung der Instrumente in der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Krise skizzierte. Ebenso arbeitete Goldberg Faktoren heraus, die die Rolle internationaler Banken in der gegenwärtigen Krise beeinflussen, wie insbesondere die Lockerung makroprudenzieller Regeln, die Kapitalausstattung der Finanzintermediäre und den unterschiedlichen Rhythmus des Kampfs gegen Covid-19 in einzelnen Ländern. Gut kapitalisierte, international aufgestellte Banken könnten in dieser Situation im Ausland expandieren und zur wirtschaftlichen Stabilisierung in den noch von der Covid-19-Krise betroffenen Märkten beitragen.

Die nachfolgende, von Catherine Schenk geleitete Sektion zu historischen Aspekten internationaler Bankennetzwerke mit Präsentationen von Wilfried Kisling (WU Wien und Universität Oxford), Olivier Accominotti (London School of Economics), Mark Carlson (Board of Governors of the Federal Reserve System) sowie Natacha Postel-Vinay (London School of Economics) setzte zwei zeitliche Schwerpunkte: zum einen die Phase der ersten Globalisierung und zum anderen die Zwischenkriegszeit. Die Redner:innen zeigten unterschiedliche institutionelle Strukturen sowie Wirkungen internationaler Bankennetzwerke auf und gingen dabei der Frage nach, welche destabilisierenden Wirkungen grenzüberschreitende Finanzströme der Banken auslösen können.


Internationale Finanzkrisen in den 1920er und 1930er Jahren

Wilfried Kisling kam in einem Paper mit Christopher Meissner (University of California, Davis) und Chenzi Xu (Stanford Graduate Business School) auf der Basis von Daten zu bilateralen Verflechtungen von Bankniederlassungen und Handelsverkehr im ausgehenden 19. Jahrhundert zu dem Ergebnis, dass die Außenhandelsentwicklung durch die internationale Expansion der Banken befördert wurde. Olivier Accominotti (London School of Economics) dokumentierte anhand seiner mit Delio Lucena-Piquero und Stefano Ugolini (beide von der Universität Toulouse) unternommenen umfassenden Analyse der im Jahr 1906 bei der Bank of England zum Rediskont eingereichten Wechsel in Pfund Sterling die hinter der Handhabung dieses Finanzinstruments stehenden Marktstrukturen. Das Netz international agierender Londoner Banken, die dabei als Diskonthäuser involviert waren, habe Informationsasymmetrien überwunden und so den Wechsel zu einem hochliquiden Finanzinstrument werden lassen, so die Autoren.

Mit dem Phänomen der Übertragung internationaler Finanzkrisen befasste sich Mark Carlson (Board of Governors des Federal Reserve System), dessen Analyse des US-Geld- und Anleihemarktes zu Beginn der 1930er-Jahre zeigte, dass durch internationale Entwicklungen – wie etwa die deutsche Bankenkrise von 1931 oder die Abwertung des britischen Pfunds – ausgelöste Kapitalabflüsse für den heimischen Kapitalmarkt nicht ohne Folgen blieben, die steigende Unsicherheit also nicht ausschließlich auf inländischen Fehlentwicklungen beruhe. Auch der Zustrom internationalen Kapitals zugunsten inländischer Banken kann jüngsten Forschungsergebnissen von Natacha Postel-Vinay (London School of Economics) und Stephanie Collet (Deutsche Bundesbank) zufolge für den heimischen Bankenmarkt destabilisierend wirken. Der Vortrag ging der Frage nach, ob die erheblichen internationalen Kapitalzuflüsse zugunsten deutscher Banken in den 1920er-Jahren nachweisbar zu größerer Risikoneigung und exzessiver Kreditvergabe geführt hatten und damit als eine der wesentlichen Ursachen der Bankenkrise zu Beginn der 1930er-Jahre anzusehen sind.


Swap-Vereinbarungen gewinnen an Bedeutung

Die zweite Sektion unter der Leitung von Rainer Klump (Goethe-Universität Frankfurt) zu aktuellen Entwicklungen galt sowohl institutionellen Strukturmerkmalen des internationalen Bankennetzwerks als auch Instrumenten zur Liquiditätssteuerung internationaler Finanzströme. Der für das vergangene Jahrzehnt festzustellende, vor allem Länder mit weniger tragfähigen Aufsichtsstrukturen treffende Rückgang der Korrespondenzbankenbeziehungen war Gegenstand des Beitrags von Goetz von Peter gemeinsam mit Tara Rice (beide von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich). Demnach kommen als Ursache unter anderem Regulierungsanforderungen an die in entwickelten Finanzmärkten ansässigen Banken sowie Kostengründe in Frage. Die Entwicklung könnte zur Folge haben, dass die betroffenen Staaten den Anschluss an sichere Zahlungskorridore ganz verlieren oder liquide Mittel nur zu höheren Kosten zur Verfügung stehen. Abhilfe könnten hier sowohl neue Technologien als auch gezielte Gegenmaßnahmen schaffen.

Die wachsende Bedeutung von Swap-Vereinbarungen der Zentralbanken zur Eindämmung der Krisen durch unterbrochene internationale Zahlungsströme behandelte Beatrice Scheubel (Europäische Zentralbank) auf der Basis gemeinsamer Forschung mit Hannah Engljähringer (Sant’Anna University Pisa) und Alice Schwenninger (Banque de France). Um die jeweils geeigneten Instrumente gezielt auf die jeweiligen Anforderungen bzw. Krisenphänomene abzustimmen und zur Gegensteuerung einzusetzen, beispielsweise um die Wirkungen der Geldpolitik abzufedern, bedürfe es weiterer eingehender Auswertung der Daten.

Inaki Aldasoro (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) warf schließlich einen Blick auf die wachsenden grenzüberschreitenden Verbindungen zwischen Banken und Schattenbanken („Non Bank Financial Intermediaries“). Diese bestünden vor allem für entwickelte Volkswirtschaften und Offshore-Zentren, seien aber zunehmend auch für Schwellenländer relevant und gingen mit einem bedeutenden Risiko der Banken im Verhältnis zu Schattenbanken einher.


Finanzstabilitätsrisiken in Zeiten von Corona

In ihrem Kommentar zur zweiten Sektion fragte Loriana Pelizzon, Leiterin der SAFE-Forschungsabteilung „Financial Markets“, nach der Rolle des technologischen Wandels, insbesondere des Aufkommens digitaler Zahlungsverkehrsanbieter, beim Rückgang der Korrespondenzbankenverbindungen. Zur Forschung über Swap-Vereinbarungen regte sie an, über deren Einsatzmöglichkeiten hinaus auch die Funktionsdefizite der Märkte in den Blick zu nehmen und die Ursachen für eine Inanspruchnahme von globalen Finanzsicherheitsnetzen zu ergründen. Die SAFE-Forscherin fragte ferner nach den Ursachen für die Fragilität grenzüberschreitender Verbindungen zwischen Banken und Schattenbanken, die mit der Covid-19-Pandemie zu beobachten gewesen sei. Insgesamt gelte es, die wirtschaftlichen Funktionen der Schattenbanken auch im Vergleich zu denen der Banken und die Gründe für das starke Wachstum des internationalen Netzwerks des Finanzsektors zu erforschen.

Die Notwendigkeit, auch die sich in der Covid-19-Krise abzeichnenden Erfolge krisenvorbeugender Finanzmarktpolitik auf der Grundlage umfassender Mikrodaten zu analysieren, betonte abschließend Claudia Buch, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, in ihrer Keynote über Finanzstabilitätsrisiken in Zeiten der Corona-Pandemie. Die derzeitigen Herausforderungen beträfen sowohl die Liquidität als auch die Eigenmittelausstattung der Banken und lägen auch im beschleunigten strukturellen Wandel begründet. Dieser werde unter anderem durch die Digitalisierung, das Niedrigzinsumfeld und die wachsende Verschuldung des privaten wie des öffentlichen Sektors getrieben. Die Politik verfüge inzwischen über passende Instrumente, mit den Stabilitätsrisiken umzugehen, doch gebe es noch Lücken. Es gelte, neben der Herausforderung durch krisenbedingt zunehmende Zahlungsausfälle insbesondere die wachsende Komplexität der Banken in den Blick zu nehmen.

In ihrem Fazit hob Catherine Schenk als Tagungsleiterin hervor, dass sich die in der Konferenz aufgeworfenen Forschungsfragen um drei Themenkomplexe zentrieren: Die Rolle der Schattenbanken für die internationalen Netzwerke von Banken und anderen Finanzinstituten sowie die Entwicklung damit einhergehender grenzüberschreitender Finanzströme, die Mechanismen und Wege der Krisenübertragung über das Netz internationaler Finanzinstitute sowie den anhaltenden Wandel in der Architektur der internationalen Finanzinfrastruktur.