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Notleidende Kredite mit mehr Verantwortung für Banken abwickeln

Empirische Analyse um SAFE empfiehlt realistische Bewertung von Problemkrediten in Bankbilanzen und eine Lösungsstrategie im Einklang mit der EU-Abwicklungsrichtlinie

 

In Krisenzeiten neigen Banken dazu, notleidende Kredite („Non-Perfoming Loans“, NPLs) in ihren Bilanzen nicht korrekt auszuweisen. Dies führt dazu, dass eigentlich nicht überlebensfähige Firmen, sogenannte Zombieunternehmen, weiter finanziert werden, was negative Folgen für das Wirtschaftswachstum haben kann. Staatliche Rekapitalisierungen von Banken, gelockerte Abschreibungsregeln und Kapitalanforderungen im Zuge der Coronakrise sowie ein Aussetzen von Insolvenzpflichten verschärfen das Problem weiter. Um dies zu vermeiden, sollten europäische Regulierungs- und Aufsichtsbehörden Anreize für Banken setzen, Kreditverluste in ihren Büchern rechtzeitig und korrekt aufzuführen, was etwa durch effektive Prüfung der Aktiva-Qualität, Stresstests und adäquate Bilanzierungsregeln erreicht werden kann.

Zu diesen Empfehlungen kommen Finanzökonominnen und -ökonomen um das Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE in einer empirischen Analyse, die im Auftrag des Europäischen Parlaments durchgeführt wurde.

„Die Banken hatten in den vergangenen Jahrzehnten keinen Anreiz problematische Kredite in ihren Bilanzen frühzeitig und effektiv zu erkennen“, sagt SAFE-Direktor Jan Pieter Krahnen, der an der Analyse mitgearbeitet hat. „Eine realistische Bewertung von Krediten würde den Banken einen Anreiz bieten, NPLs zeitnah zu erkennen und effizient abzuwickeln, zum Beispiel durch Bankenfusionen oder den Verkauf auf dem Sekundärmarkt“, so Krahnen weiter.


Den europäischen Sekundärmarkt für Kredite zur NPL-Abwicklung nutzen

Ein aktiver sekundärer Kreditmarkt wäre bei der Abwicklung von NPLs hilfreich und könnte so zur Stabilität des Bankensektors in Europa beitragen. „Je höher der Verkaufspreis für NPLs auf dem Sekundärmarkt ist, desto geringer ist der Kapitalverlust für die Bank, die diese NPLs verkauft“, erklärt Loriana Pelizzon, Leiterin der Forschungsabteilung Financial Markets bei SAFE und ebenfalls Autorin der Analyse. „Ein starker und gut entwickelter sekundärer Kreditmarkt erleichtert daher die Bankenabwicklung nach der EU-Abwicklungsrichtline BRRD.“

Auch wenn das Eigenkapitalpolster der Banken in Europa insgesamt groß genug zu sein scheint, um potenzielle NPL-Verluste aufzufangen, besteht nach Ansicht der Analyse eine erhebliche Unsicherheit mit Blick auf zukünftige Entwicklungen. Ein Vergleich zwischen 17 europäischen Ländern legt zudem große Unterschiede in der EU nahe. Unter Annahme verschieden negativer Szenarien zeigt sich, dass NPLs einen größeren Anteil, relativ zum Eigenkapital der Banken, in europäischen Ländern mit niedrigerem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ausmachen. Schwächere Länder sind demnach aufgrund zu dünner Eigenkapitalpolster in ihrem jeweiligen Bankensystem am anfälligsten für zusätzliche NPLs.

Ein extrem negatives Szenario mit hohen systemischen Risiken ist daher nicht komplett auszuschließen. In diesen Fällen kann ein direkter staatlicher Eingriff zur Stabilisierung des Bankensystems gerechtfertigt sein. Allerdings wird empfohlen, die Rettungsgelder nicht direkt an Banken, sondern an Unternehmen und Haushalte zu zahlen, um die Funktionsweise der BRRD aufrechtzuerhalten und schädlichen Risikoanreizen für Banken entgegenzuwirken.

Das SAFE White Paper No. 84 zum Download

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Loriana Pelizzon, Ph.D
Leiterin der Forschungsabteilung Financial Markets
E-Mail: pelizzon@safe-frankfurt.de
Telefon: +49 69 798 30047