Die Strategieüberprüfung ist erst der Anfang

EZB Chefvolkswirt Philip R. Lane erläutert die Ergebnisse der Strategieüberprüfung der Europäischen Zentralbank

 

Die Strategieüberprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) stand im Fokus des IMFS Policy Webinars mit Philip R. Lane am 15. September. In der von IMFS-Direktor Volker Wieland moderierten Veranstaltung erläuterte der EZB-Chefvolkswirt die im Juli veröffentlichten Ergebnisse der Überprüfung.

Dabei wurden in 13 Arbeitsgruppen des Eurosystems zentrale Themen wie Inflationsmessung, geldpolitische Instrumente, Beschäftigung oder Digitalisierung behandelt. Während die Ergebnisse in der neuen geldpolitischen Erklärung, einer Übersicht und einem Maßnahmenplan zum Klimawandel zusammengefasst sind, werden weitere Informationen in 18 Occasional Papers verfügbar sein, kündigte Lane an. Die IMFS-Konferenz „The ECB and Its Watchers“ vor einem Jahr fand als Veranstaltung mit Wissenschaftlern in der Reihe „Die EZB hört zu“ Eingang in den Prozess.

Die Strategieüberprüfung nimmt das Mandat der EZB als Ausgangspunkt. Der EZB-Rat ist an das Mandat der Preisstabilität als Hauptaufgabe gebunden, das in Artikel 127 Absatz 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verankert ist. Die ursprüngliche geldpolitische Strategie der EZB wurde 1998 beschlossen und 2003 überarbeitet. Seitdem hat sich die Welt stark verändert, was die Zentralbanken vor zahlreiche neue Herausforderungen stellt, so die EZB in ihrer Erklärung.

Gemäß der neuen Strategie ist der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) nach wie vor die geeignete Messgröße, um zu bewerten, ob das Preisstabilitätsziel erfüllt ist. Der EZB-Rat ist der Ansicht, dass die Preisstabilität am besten gewährleistet ist, wenn mittelfristig ein Inflationsziel von zwei Prozent angestrebt wird. In der früheren Formulierung wurde Preisstabilität im Sinne von „unter, aber nahe zwei Prozent“ definiert. Der EZB-Rat hat jedoch beschlossen, die Kosten für selbst genutztem Wohneigentum in den HVPI einzubeziehen. Ein Fahrplan sieht vier Hauptstufen für den Übergang zu einem HVPI vor, der dies einschließt.

In Bezug auf die geldpolitischen Instrumente wies Lane darauf hin, dass die Kreditkosten und nicht das Volumen der Ankäufe von Vermögenswerten der beste Indikator für den geldpolitischen Kurs der EZB seien. „Es ist keine gute Idee, den geldpolitischen Kurs mit dem Volumen der Ankäufe von Vermögenswerten gleichzusetzen, da die Verbindung zwischen dem Volumen der Ankäufe von Vermögenswerten und dem geldpolitischen Kurs im Wesentlichen über die Zinsstrukturkurve erfolgt, und wir gehen davon aus, dass die Zinsstrukturkurve weiterhin ziemlich niedrig ist“, sagte Lane. In der Vorwoche hatte die EZB beschlossen, die Anleihekäufe moderat zu reduzieren, da sich die Wirtschaft erholt.

Lane betonte auch den überarbeiteten analytischen Rahmen: „Meine persönliche Meinung ist, dass wir am Ende die Analysen zusammenführen müssen. Wir treffen nur eine Entscheidung.“ Auch die Kommunikation der Zentralbank war eines der Hauptthemen und soll ausgebaut werden. „Wir denken, dass es wichtig ist, mit der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren“, sagte Lane. Erste Änderungen in der Zentralbankkommunikation seien bereits zu sehen. „Wir werden größeren Einblick in unsere Hintergrundüberlegungen geben.“

Die nun abgeschlossene Strategieüberprüfung wird nicht die letzte in den kommenden Jahren sein. „Es ist wichtig, einen regelmäßigen Überprüfungszyklus zu haben, sonst ist der Beginn einer Überprüfung bereits ein Signal“, erklärte Lane. Die nächste Überprüfung ist bereits für das Jahr 2025 angesetzt.

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