Rainer Klump leitet künftig das House of Finance

Nach 14 Jahren an der Spitze des House of Finance (HoF) der Goethe-Universität hat Wolfgang König das Amt des Geschäftsführenden Direktors an seinen Nachfolger Rainer Klump übergeben. Bei der feierlichen „Stabübergabe“ auf dem Campus Westend am 9. Juni würdigte Hessens Finanzminister Michael Boddenberg die Bedeutung des House of Finance für den Forschungsstandort und Finanzplatz Frankfurt.

 

Wolfgang König hatte das Amt des Geschäftsführenden Direktors des House of Finance im Jahr der Gründung des interdisziplinären Zentrums für die finanzbezogene Spitzenforschung und Weiterbildung angetreten. Der Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement bestimmte die Entwicklung des neuen Zentrums seither maßgeblich mit. Dass im Gründungsjahr eine heftige Finanzkrise die globalen Märkte erschüttern würde, konnte man im Vorfeld nicht wissen. „Der Ausbruch der globalen Finanzkrise hat eindrücklich gezeigt, wie sehr es am wichtigsten Finanzstandort Deutschlands der Spitzenforschung und Politikberatung im Bereich Finance bedarf“, erinnert sich der langjährige Geschäftsführende Direktor des House of Finance. Sein Nachfolger Rainer Klump, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, dankte Wolfgang König und gab einen Ausblick auf mögliche zukünftige Ziele des HoF: „Es ist mir eine Ehre, das Amt des Geschäftsführenden Direktors des House of Finance von Wolfgang König zu übernehmen, dem ich für sein Wirken ganz herzlich danke. Das HoF ist ein Leuchtturm der Goethe-Universität, des Finanzplatzes Frankfurt und des Landes Hessen. Ich möchte dazu beitragen, dass seine nationale und internationale Strahlkraft noch stärker wahrgenommen wird. Dafür wird die gelebte Interdisziplinarität der Forschung innerhalb des HoF eine zentrale Rolle spielen".


In seiner Ansprache ging der hessische Finanzminister Michael Boddenberg auf die aktuellen Unsicherheiten ein. „Corona-Pandemie, Klimawandel und der Krieg Russlands gegen die Ukraine gehören zu den großen Herausforderungen. Sie lassen uns sicher geglaubte Gewissheiten hinterfragen. Nicht nur unsere Wirtschaft und die Staatshaushalte leiden unter diesen Entwicklungen, wir alle spüren die Auswirkungen dieser Herausforderungen unmittelbar auch durch hohe Energiepreise und Inflation.“ Er sagte, er sei in dieser Situation besonders dankbar für die Verbindung, die das House of Finance und die weiteren Forschungsinstitute zwischen der akademischen Fachwelt und dem gesellschaftlichen Leben in Hessen bieten. Zum Amtswechsel an der Spitze des House of Finance sagte er: „Professor König war eine der Konstanten in der manchmal so schnelllebigen akademischen Welt und hat der Universität Frankfurt seit dem Beginn seines Studiums mehr als 50 Jahre lang die Treue gehalten. Im Namen der gesamten Landesregierung spreche ich ihm meinen Dank und großen Respekt für seine wertvolle Arbeit aus. Ich bin sehr optimistisch, dass Professor Klump diese bedeutende und anerkannte Institution weiterhin in eine gute Zukunft führen wird.“

Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff nannte das House of Finance in seinem Grußwort „einen wichtigen Baustein für unsere Vision einer exzellenten, internationalen Goethe-Universität im digitalen Zeitalter“. „Wir wollen das Wissen für Entwicklung, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert generieren, vermitteln und wirksam machen“, so Schleiff weiter. Er dankte Prof. König dafür, dass er das HoF zu einer international bekannten Marke und zu einem elementaren Baustein für den Finanzstandort Frankfurt und Hessen gemacht habe. An den neuen Direktor Prof. Klump gerichtet sagte Schleiff: „Da Sie beide Seiten kennen, das House of Finance und die Goethe-Universität, wissen Sie, dass das HoF für uns, für Frankfurt und für Hessen ein unverzichtbarer Inkubator und Impulsgeber ist. Wir alle hier und an der Goethe-Universität wünschen Ihnen bei Ihrer neuen Aufgabe viel Erfolg – wir sind gespannt auf den Input, den das HoF in den kommenden Jahren geben wird.
Der Präsident des Kuratoriums des House of Finance, Prof. Dr. Dr. hc. mult. Otmar Issing, verwies darauf, dass sich der Erfolg des Konzepts des House of Finance unter anderem in der Hervorbringung neuer, leistungsfähiger Forschungseinrichtungen wie insbesondere des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE zeige. Er hob hervor, dass „die gebündelte Beratungskompetenz der Forscherinnen und Forscher des HoF in so zentralen Fragen wie Geldwertstabilität, stabile Finanzarchitektur, Altersvorsorge im Zeichen des demographischen Wandels und Ausgestaltung der digitalen Transformation“ in Politik und Gesellschaft hoch geschätzt werde.

Aus der Sicht der Praxis führte Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK AG, aus: „Das House of Finance bereichert den Finanzplatz Frankfurt in hohem Maße - durch die gelungene Mischung aus thematischer Breite und Spezialisierung und durch die hohe Qualität seiner Arbeit bei beeindruckender Quantität des Angebots. Dies ist vor allem dem Wirken von Prof. König zu verdanken, dem der fruchtbare Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft immer ein wichtiges Anliegen war.“

Prof. Oliver Hinz, Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der Goethe-Universität, wies darauf hin, dass Wolfgang König die deutsche Wirtschaftsinformatik maßgebend mitgeprägt habe. „Mit unermüdlichem Fleiß und Engagement hat er sich nicht nur für die Goethe-Universität und das House of Finance, sondern auch für seine Fachdisziplin eingebracht und Pionierarbeit geleistet. Die unmittelbare Verknüpfung von IT und Finanzwirtschaft wurde in Hessen früh erkannt und findet am House of Finance in relevanter und zukunftsweisender Forschung ihren Wiederhall.“  Prof. Katja Langenbucher, Professorin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Bankrecht im House of Finance, sagte, zwar sei „Interdisziplinäre Zusammenarbeit … komplex, und viele Institutionen haben sich die Zähne daran ausgebissen.“ Doch das House of Finance unter der Leitung von Wolfgang König habe „diesen Schwierigkeiten eine ungeheuer elegante, durch ihre Einfachheit bestechende Idee entgegengesetzt: ein Dach über dem Kopf, ein Ort der Begegnung und des Gesprächs. Dadurch ist sozusagen bewusst zufällig Spitzenforschung entstanden, angestoßen durch einen Kaffee am Morgen, ein mitgehörtes Gespräch auf dem Flur oder eine Vortragsveranstaltung unter eben diesem Dach.“